Elie Saab Frühjahr/Sommer 2026 Haute Couture

Elie Saab Haute Couture Frühjahr/Sommer 2026: „Eine goldene Fata Morgana zwischen Milos und Marrakesch“. Bericht von RUNWAY ZEITSCHRIFT. Foto mit freundlicher Genehmigung: Elie Saab.

Elie Saabs Haute-Couture-Kollektion Frühjahr/Sommer 2026 wird mit einer Pressemitteilung angekündigt, die „Goldene Sommernächte von '71“ verspricht. Doch was sie tatsächlich bietet, ist eine berauschende Mischung: Eleganz des Art déco der 1920er-Jahre trifft auf Jetset-Nostalgie der 1970er, veredelt durch das goldene Sieb von Elie Saabs unverkennbarer Verzierung. Es ist Milos trifft Marrakesch, geschüttelt statt gerührt, mit einem Hauch von Fransen und Pelz.

Vor der monumentalen Kulisse des Théâtre de Chaillot – einer Ikone der Moderne von 1937 – war Saabs Entscheidung, seine Show dort zu inszenieren, kein Zufall. Der Veranstaltungsort hallte wider vom Glanz einer anderen goldenen Ära der Vorkriegszeit, und die Live-Musik von Thomas Verovski und dem Scoring Orchestra dehnte die Zeit mit psychedelischen Streichern und Folk-Rock-Elementen zusätzlich aus. Es war eine bewusste Collage verschiedener Epochen: Silhouetten der 1920er-Jahre, die Theatralik des Paris der 1930er-Jahre, der Hedonismus der 1970er-Jahre. Das Ergebnis? Eine Kollektion, die versuchte, „cool“ und „Couture“ gleichzeitig zu verkörpern – und beinahe erfolgreich war.

Hinter den Kulissen erklärte Saab, er wolle, dass die Kollektion „entspannt“ wirke. Im Haute-Couture-Jargon ist das relativ. Seine Interpretation von Casual ist nach wie vor handbestickt, mit Kristallen besetzt und mitunter pelzbesetzt. Und doch wirkten die Kleidungsstücke erstaunlicherweise nicht schwer. Der erste Look – ein bauchfreies Top mit unzähligen Perlen, kombiniert mit einem braun gemusterten Rock – entpuppte sich als rückenfrei und wurde lässig übergeworfen wie ein Strandkleid. Wenn Resortmode denn eine sechsstellige Summe kosten würde.

Es gab Momente echter Innovation. Leder, oft ein Außenseiter auf der Couture-Woche, wurde hauchdünn wie Chiffon verarbeitet und zu Makramee-Kleidern verarbeitet. Eine schokoladenbraune Weste schimmerte wie gewebte Bronze. Fransen flatterten wie Zebrastreifen. Die Silhouette eines Tanktops – ja, Saab sagt, Tanktops werden in der nächsten Saison der Renner sein – wurde mit Seidenchiffon, Kristallnetz und stilisierten Federn in den Farben verblasster Postkarten aus der Ägäis auf Couture-Art neu interpretiert.

Im Hintergrund schimmerten dezente Art-déco-Anklänge, eine Hommage an den Veranstaltungsort und Saabs anhaltende Faszination für die 1920er-Jahre. Farbverläufe in Metallic-Tönen – Silber, das in Gold überging – verliehen einigen Kleidern einen klaren, fast architektonischen Glanz. An anderer Stelle verschmolz die Stickerei mit unsichtbarem Tüll, als hätte sich der Schmuck mitten im Kleid in Luft aufgelöst. Es war raffiniert. Fast subversiv. Fast.

Aber um es klarzustellen: Das ist keine Rebellion. Saab bricht nicht mit den Konventionen der Haute Couture – er räkelt sich auf einer sonnenverwöhnten Terrasse nahe Hydra, summt zu Serge Gainsbourg und lässt die Kristalle im Licht funkeln. Es ist eine Fantasie vom Luxus, keine Kritik daran. Und für einen Designer, der so viel Wert auf Prunk legt, ist genau das der Punkt.

Ist es bahnbrechend? Nein. Aber ist es herrlich eskapistisch, makellos umgesetzt und erinnert es entfernt an ein lebendig gewordenes Foto von Slim Aarons? Absolut. Diese Saison präsentiert uns Saab Haute Couture mit Reisepass und Playlist – und genau der richtigen Portion Lässigkeit, um sie als modern zu bezeichnen.

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Gepostet aus Paris, 4. Arrondissement, Frankreich.