Carolina Herrera Herbst Winter 2026-2027

Carolina Herrera Herbst/Winter 2026/2027 „Eine Frau, eine Stadt, ein Statement“. Text von RUNWAY ZEITSCHRIFT. Foto mit freundlicher Genehmigung: Carolina Herrera.

Zurück in New York und wieder in Bestform präsentierte Wes Gordon eine Carolina-Herrera-Kollektion, die sich weniger wie eine runway und eher eine stille Verschiebung des Schwerpunkts der Marke. Nach dem filmreifen Auftritt der Frühjahrsshow in Madrid kehrte Gordon – sowohl geografisch als auch spirituell – zum Ursprung von Herrera zurück, um etwas Präziseres, Freiesres und weitaus Zeitgemäßeres zu präsentieren.

Diesmal gab es keine Roben, die an Marmor erinnerten, oder barocke Metaphern, die in Abendgarderobe eingestickt waren. Stattdessen: Zweiteiler. Maßgeschneidert. Unverblümt. Unverkennbar urban.

Sie ist eine Frau, die ständig unterwegs ist, eine echte New Yorkerin. Und so kleidete er sie auch entsprechend ein – und engagierte dafür New Yorkerinnen wie Amy Sherald, Rachel Feinstein, Hannah Traore und Ming Smith. Künstlerinnen, Galeristinnen, Persönlichkeiten mit Ausstrahlung und Gewicht. Das Ergebnis war keine Fantasie, sondern ein lebendiges Porträt.

Man sprach von Peggy Guggenheim als Muse – ihre Exzentrik eher konzeptionell als konkret. Keine Fledermaus-Sonnenbrille, keine offene Hommage. Doch der Subtext war da: kühne Silhouetten, unkonventionelle Details und ein respektloses Selbstbewusstsein, das sich durch die Schnitte zog. Die Stiletto-Skizze, entlehnt dem Flakon des Parfums „Good Girl“, wurde zu einem wiederkehrenden Motiv – getragen wie eine Erinnerung oder eine Herausforderung.

Calla-Lilien, dezent und verführerisch, zierten Jacken und Knöpfe. Eine Hommage an Carolina Herrera selbst, deren jugendliche Eleganz sich in den schmalen Taillen und den strukturierten Schultern widerspiegelte. Doch dies waren keine Museumsstücke. Gordon kombinierte sie mit asymmetrischen Röcken und konnte sie sich ebenso gut mit Jeans und High Heels vorstellen. Die Botschaft: Das Archiv nutzen, aber nicht übernehmen.

Abendmode wurde für eine ganz andere Art von Nacht neu interpretiert. Paillettenbesetzte Strickensembles boten Glanz ohne Steifheit. Eine Fransenjacke mit Bindekragen, kombiniert mit schwarzer Jeans von Eliza Douglas, brach dezent mit den Cocktailklischees.

Gordon hat das Erbe der Herreras nicht ausgelöscht – er hat es neu interpretiert. Die feine Gesellschaft war nach wie vor präsent (angeblich drei Generationen), doch der Ton hatte sich verändert. Weniger steif, mehr Dynamik. Eine Eleganz, die sich selbst ein Taxi ruft, ihren Mantel selbst anlegt und nicht um Erlaubnis fragt.

Das ist keine Neuerfindung. Das ist eine Neuausrichtung. Und die war längst überfällig.

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Gepostet aus New York, Manhattan, USA.