Max Mara Herbst Winter 2026-2027

Max Mara Herbst/Winter 2026/2027 „Ian Griffiths und der Aufstieg der modernen Matilde“. Artikel von Runway Magazin. Foto mit freundlicher Genehmigung von Max Mara.

Die Herbst/Winter-Kollektion 2026/2027 von Max Mara ist keine bloße Bezugnahme auf die Geschichte – sie lässt Macht neu aufleben. Ian Griffiths greift auf Matilde di Canossa zurück, die mittelalterliche Herrscherin, deren strategischer Verstand von ihren Festungen über der Emilia aus ganze Reiche formte. Sie wird zum Inbegriff der Kollektion: eine Frau, die nicht durch Prunk, sondern durch Struktur gebietet. Und während Matilde einst Frieden zwischen Kaisern und Päpsten vermittelte, verhandelt ihr heutiges Pendant Fusionen, überarbeitet Unternehmensrichtlinien und unterzeichnet die Schecks.

Das ist kein romantischer Historismus, sondern institutionelle Eleganz, die auf exekutive Autorität ausgerichtet ist.

Die ersten Töne sind bewusst streng. Ein skulpturales, taupefarbenes Ensemble gibt den Ton an: ein schlichtes, minimalistisches Wildleder-Top, das über einer langen, fließenden Hose schwebt. Die Linien sind streng, aber nicht harsch, die Botschaft unmissverständlich – Macht beginnt mit Klarheit. Was aus der Ferne klösterlich wirkt, entpuppt sich als moderne Rüstung: geschmeidig, beweglich, tödlich in ihrer Zurückhaltung.

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Max Mara wechselt dann zu seinen charakteristischen Farbcodes, wobei sich das Kamelspektrum in langen, umhüllenden Mänteln entfaltet, die förmlich über den Boden gleiten. runwayEin Mantel in sattem Tabakton, kombiniert mit passendem Hemd und Hose, verkörpert die meisterhafte Stoffverarbeitung des Hauses. Nichts ist aufdringlich; alles wirkt ausdrucksstark.

Ebenso imposant ist ein tiefgrauer Wildledermantel, der so locker wie ein Morgenmantel geschnitten ist, aber dennoch die Autorität eines Oberbekleidungsstücks ausstrahlt, das für eine Frau entworfen wurde, die über Baubudgets entscheidet. Die hohen Stiefel, die darunter hervorschauen, verlängern die Silhouette und verleihen ihr eine subtil einschüchternde Wirkung – ein Outfit, das den Raum betritt und die Hierarchie sofort neu definiert.

Griffiths setzt seinen architektonischen Stil mit einem schwungvollen, kamelfarbenen Cape-Mantel-Hybrid fort. Das Kleidungsstück fällt wie ein mittelalterlicher Umhang, ist aber mit urbaner Präzision gefertigt; seine Formen wirken schwebend, anstatt zu erdrücken. In Kombination mit einer weiten Hose entsteht der Eindruck eines modernen Regenten, der durch Betonkorridore statt durch Steinhallen schreitet.

Textur wird zur Sprache der Dominanz. Ein zweireihiger Mantel aus Kamelhaar und Nubuk in mehreren Lagen verwandelt Max Maras Textilarchiv in ein taktisches Instrument. Er verweist auf Tradition, ja, aber auch auf die Idee, dass Schutz – thermischer, symbolischer, hierarchischer – ein Luxus ist, den sich nur die Mächtigen leisten können.

Dann ist da der dunkle, längliche Strickpullover, kombiniert mit einem bodenlangen Mantel – ein monochromer Anzug, der die Kluft zwischen Krieger und CEO überbrückt. Sein Minimalismus ist raffiniert, seine Proportionen subtil gewagt. Die Stiefel unterstreichen die Aussage: Sie sind nicht einfach nur Schuhe, sie sind Ausdruck von Autorität.

Kamel taucht wieder auf, diesmal reduziert auf ein Säulenkleid und einen so perfekt drapierten Mantel, dass es beinahe zeremoniell wirkt. Wie eine königliche Prozession ohne jeglichen Schmuck ist es die deutlichste Veranschaulichung von Griffiths' These: Macht kann weich in ihrer Beschaffenheit, aber unerschütterlich in ihrer Absicht sein.

Eine leichtere Kamelvariante bringt eine haptische Wildheit ins Spiel – langflorige Oberflächen, die an mittelalterliche Felle erinnern, aber mit der präzisen Sorgfalt italienischer Handwerkskunst gefertigt sind. Dies ist kein Kostüm; dies ist eine Neuinterpretation von Souveränität durch Materialwissenschaft.

Die darauffolgende Strick-Abendkollektion fügt eine weitere Ebene hinzu: Weichheit trifft auf Stärke. Ein hoher Rollkragen, verlängerte Ärmel und eine Silhouette, die mit verführerischer Eleganz die Figur streckt. Sie ist eines der ausdrucksstärksten Plädoyers der Kollektion für moderne Romantik: Sinnlichkeit ohne Unterwerfung.

Griffiths' Look endet mit einem unerwarteten Höhepunkt: der Strenge eines schwarzen Satinkleides, das von einer kurzen Jacke mit elegantem Shearling-Kragen ergänzt wird. Das Spannungsverhältnis zwischen fließenden Formen und Struktur erzeugt eine nächtliche Autorität – die Art von Abendgarderobe, die jemand trägt, der um sechs Uhr eine Vorstandssitzung und um acht Uhr ein diplomatisches Abendessen absagt.

Die Farbpalette bleibt durchgehend diszipliniert – Grau-, Taupe-, Camel- und Schwarztöne –, nicht um des Minimalismus willen, sondern um Architektur, Bewegung und die natürliche Ausstrahlung der Trägerin in den Vordergrund zu rücken. Die Stoffe stehen im Mittelpunkt: Kamelhaar, Kaschmir, Alpaka, Mohair, doppelseitige Wolle, die im Licht wie geschmiedetes, mit der Zeit geschliffenes Metall schimmert.

Griffiths entwirft keine Kleidung für Matilde di Canossa. Er entwirft Kleidung für die Frauen, die ihren Thron erbten.

Die Herbst/Winter-Kollektion 2026/2027 von Max Mara ist eine Hommage an Souveränität – nicht symbolisch, sondern gelebt. Sie ist für Frauen, die ihre Welt mit Präzision, Stille und absoluter, unerschütterlicher Autorität beherrschen.

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Gepostet aus Mailand, Municipio 1, Italien.