Ein- und Ausgänge von Miles Aldridge. Text von Kate Granger, Redakteurin von RUNWAY MAGAZIN. Fotos: Miles Aldridge.
Ab Mitte Oktober wird der ruhige Luxus der Korridore des Park Hyatt Paris-Vendôme und des Café Jeanne von der säuregetränkten, hypersättigten Welt des britischen Fotografen Miles Aldridge für seine bevorstehende Ausstellung abgelöst. Ein-und Ausfahrten (19. Oktober – 1. Dezember 2026)Die offizielle Pressedarstellung hüllt die Inszenierung erwartungsgemäß in den üblichen intellektuellen Glanz – sie rahmt diese filmischen Technicolor-Tableaus als eine Auseinandersetzung mit Illusion, Bergman-esker Stille und modernem Konsumismus ein.Doch wenn man den gesellschaftskritischen Stil beiseite lässt und direkt betrachtet, was inszeniert wird, ist die Realität weitaus beunruhigender.
Was wir hier tatsächlich sehen, ist ein Rückschritt um achtzig Jahre. Aldridge präsentiert eine Welt, in der Frauen in einem Vakuum der Mitte des 20. Jahrhunderts erstarrt sind: stumm, stark gestylt, zutiefst depressiv und völlig machtlos. Es handelt sich nicht um Porträts komplexer Menschen, sondern um in Bernstein konservierte Klischees aus vergangenen Zeiten, die den überholten männlichen Wunsch widerspiegeln, Frauen wieder zu dekorativen, stummen Puppen zu degradieren.
Die visuelle Gestaltung der Ausstellung beruht vollständig auf Frauen, die in dekorativen Käfigen gefangen sind:
- Die manische Vorstadt: In HausaufgabenEine platinblonde Schaufensterpuppe in einem makellosen, grafisch gemusterten Kleid beugt sich mit hohlen, kohlumrandeten Augen über eine gelbe Laminattheke und rollt mechanisch blutroten Teig aus. Neue UtopienEine andere blonde Frau im Retro-Stil schwingt ein elektrisches Tranchiermesser über einem Braten und zeigt ein künstliches, geiselhaftes Grinsen unter der unerbittlichen Beobachtung einer kitChen-Uhr. Häuslichkeit wird nicht als Leben inszeniert, sondern als ästhetisierte psychiatrische Station.
- Das glasierte Puppenhaus: Auf der anderen Seite der Türen In der Serie verharren Frauen in Hotelschwellen, gefangen in einem endlosen Warten. Eine kommt mit Diamantketten und toupiertem Haar an, eine braune Papiertüte mit rohem Gemüse in der Hand. In Zimmer 76 hält eine Frau in einem durchsichtigen rosa Rüschenkleid eine Porzellanpuppe fest umklammert, eine einzelne kristalline Träne auf ihrer Wange. In Zimmer 832 steht eine andere, eingehüllt in einen hochglänzenden roten Vinyl-Trenchcoat, eine emotionslose weiße Perserkatze wie ein Accessoire ihrer Isolation.
- Die zusammengebrochene Femme Fatale: Das tragische Glamour-Klischee erreicht seinen Höhepunkt in der Casino-Szene, wo eine Frau in einem wallenden scharlachroten Kleid flach auf einem grell geblümten Teppich liegt, umgeben von verstreuten Spielkarten, Spielchips und einem umgekippten Glas mit Diamanten.
Die technische Ausführung und die Beleuchtung sind unbestreitbar verführerisch.Doch tiefe weibliche Melancholie in Lippenstift, Diamanten und Bonbonfarben zu verpacken, macht sie nicht subversiv. Es verwandelt Sprachlosigkeit lediglich in ein teures visuelles Produkt. Dieses Werk spiegelt weder die moderne Realität noch die Komplexität der Weiblichkeit wider – es spiegelt eine fortbestehende Fantasie wider, in der Frauen lediglich schöne, gequälte Objekte sind, mit denen der Betrachter spielen kann, sicher hinter Türen gefangen, die sie niemals überschreiten dürfen.














