Max Mara Resort 2027 Long Museum in Shanghai von Ian Griffiths. Text von Kate Granger, Redakteurin Runway Magazin. Foto/Video mit freundlicher Genehmigung von Max Mara.
75 Jahre universelles Kleidungsstück
75 Jahre eines Imperiums, das auf dem Inbegriff von unaufdringlichem, elegantem Luxus – dem Kamelhaarmantel – gegründet wurde, lassen sich nicht mit einer verstaubten Erinnerung an vergangene Zeiten feiern. Zum 75. Jubiläum verzichtete Max Mara auf die traditionellen, steifen Retrospektiven und richtete den Blick direkt in die Zukunft: mit der spektakulären Resort 2027 Modenschau und der Ausstellung „The Max!“ im legendären Long Museum in Shanghai.
Indem er italienische, weiche Schneiderkunst in die monumentale, rohe Betonarchitektur von Shanghais erstem brutalistischen Raum einfügte, inszenierte Kreativdirektor Ian Griffiths einen intellektuellen Dialog zwischen Struktur und fließender Wärme.





„Der Max!“ – Dekonstruktion des lebendigen Archivs
Vom 17. bis 28. Juni 2026 öffnet das Long Museum seine Pforten für ein einzigartiges Archiverlebnis. Kuratiert vom brillanten Olivier Saillard, bricht „The Max!“ mit dem üblichen Museumsformat, in dem Kleidungsstücke wie Reliquien hinter Glas erstarrt sind. Stattdessen lädt der Ausstellungsraum die Besucher ein, Max Maras reiches Erbe auf unstrukturierte, dynamische und lebendige Weise zu erkunden und zu entdecken.
Dies ist weit mehr als eine einfache Ausstellung; es ist eine fesselnde Reise ins Herz einer Marke, die seit über sieben Jahrzehnten das tiefe Gefühl des Schaffens in ein universelles Kleidungsstück verwandelt. Saillards kuratierte Arbeit beweist, dass die Geschichte von Max Mara nicht statisch ist – sie entwickelt sich stetig weiter, lebt und definiert die moderne Garderobe immer wieder neu.
Beton und Kaschmir: Der architektonische Kontrast
Auf dem runwayGriffiths nutzte diesen architektonischen Kontrast bewusst. Die Kollektion reduziert alles Überflüssige auf das Wesentliche und konzentriert sich auf klare, schwungvolle Linien, die an die massiven Betongewölbe des Museums erinnern. Sie erforscht, wie ein Kleidungsstück Raum einnehmen und dabei vollkommen mühelos wirken kann.
Der Dialog zwischen Strukturgeometrie und Flüssigkeitsbewegung war immediaDie Eröffnungssequenz etablierte eine makellose Farbpalette: ein makelloser, strukturierter cremefarbener Mantel, der das Licht mit einem subtilen, schimmernden Glanz einfing und mit einem breiten, weißen Gürtel die Taille betonte. Unmittelbar darauf folgte eine Meisterklasse optischer Grafikgestaltung – allen voran ein elegantes, schwarz-weißes Kleid mit Rautenmuster, kombiniert mit dramatischen Lederhandschuhen, die der ansonsten hochmodernen Silhouette einen Hauch von filmischer Mystik der 50er-Jahre verliehen.
Griffiths spielte auch mit der Lässigkeit von Strickwaren und verwandelte klassische Freizeitkleidung in modische Statements. Ein entspanntes, horizontal gestreiftes Strickkleid wurde komplett mit schimmernden Pailletten besetzt und vereinte so mühelos lässigen Komfort mit abendtauglichem Glamour.
Die grafische Evolution der Garderobe
Im Verlauf der Kollektion entwickelte sich die Ästhetik zu einer wunderbar grafischen und experimentellen. Erdige Töne trafen auf lebendige, unerwartete Farbtupfer, die für das historische Haus eine völlig neue Wirkung erzielten.
In einem der verspieltesten Momente der Kollektion wurde ein klassischer Breton-Strickpullover mit schillernden, sonnengelben Paillettenshorts kombiniert und von übergroßen, voluminösen Ärmeln umrahmt, die bis über die Fingerspitzen reichten. Diese gewagte Farbpalette setzte sich in funktionalen Einzelteilen fort, die für die moderne, weltoffene Frau neu interpretiert wurden – beispielsweise in einer auffälligen safrangelben Utility-Jacke mit einem tief burgunderroten Wickelgürtel.
Subtile interkulturelle Geometrie wurde mit der für Max Mara typischen Zurückhaltung kombiniert, was sich in einer sorgfältig gearbeiteten, hochgeschlossenen gemusterten Tunika und einem perfekt drapierten, gegürteten gestreiften Cardigan-Wickel zeigte, der eine Aura intellektueller Reisen ausstrahlte.
Das purpurrote Finale
Den Höhepunkt des Abends bildete Max Maras unbestrittenes Glanzstück: die unvergleichliche Meisterschaft in der Gestaltung luxuriöser, haptisch ansprechender Oberbekleidung. Vor dem industriell-grauen Hintergrund des Long Museums wirkten diese tiefen, satten Texturen beinahe malerisch.
Das Modehaus präsentierte eine traumhafte, romantische, zartrosa Jacke, die sich perfekt über ein schimmerndes, paillettenbesetztes Unterkleid legte und bei jedem Schritt das Umgebungslicht einfing. Dann schlug die Stimmung mit einem plötzlichen Ausbruch von sattem, tiefem Karmesinrot in ein hochdramatisches Licht um.
Zuerst präsentierte sich eine voluminöse, hochgeschlossene Plüschjacke, kombiniert mit einem glänzenden, roten Paillettenrock – ein brillantes Beispiel für das Zusammenspiel von matter Textur und hochglänzendem Schimmer. Schließlich der absolute Höhepunkt des Abends: ein wallender, bodenlanger, purpurroter Teddymantel über einem passenden, leuchtend roten Jumpsuit. Ein atemberaubendes visuelles Statement, das bestätigte, dass Max Maras universelles Kleidungsstück nach 75 Jahren, in denen es Eleganz prägte, zukunftsorientiert ist.
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