Prada Frühling/Sommer 2027 Herren

Prada Frühjahr/Sommer 2027 Herren: „Die Illusion der Wahl in einem farbenfrohen Ledergefüge“. Text von Eleonora de Gray, Chefredakteurin von RUNWAY ZEITSCHRIFT. Foto mit freundlicher Genehmigung: Prada.

Das Depot der Fondazione Prada hat sich kürzlich in einen klinischen, hyperhellen Zufluchtsort der „bewussten Entscheidung“ verwandelt. Unter dem grellen Halogenlicht einer erhöhten, transparenten Plexiglasscheibe runwayMiuccia Prada und Raf Simons präsentierten ihre Herrenkollektion Frühjahr/Sommer 2027. Das Modehaus selbst bezeichnet sie als „Reduzierung auf das Wesentliche“. Wir sehen darin eine wunderbar ironische Auseinandersetzung mit der bürgerlichen Garderobe der Mitte des 20. Jahrhunderts: Sie wird in bunte Farben getaucht und in eng anliegendes Leder gehüllt.

Während die Show-Notizen poetisch über „die reaktive Handlung“ und „Absichtlichkeit“ sprachen, sah die physische Realität auf dem runway war weitaus unterhaltsamer. Raf Simons ließ seine charakteristische, kantige, schmale Five-Pocket-Silhouette – ein aus der Denim-Geschichte von 1873 stammendes Muster – wieder aufleben und präsentierte sie in einer Vielfalt an ausdrucksstarken Texturen und Mustern. Indigo war strengstens verboten. Stattdessen erwartete uns ein intellektuelles Spielparadies, in dem Schneiderkunst, Leder und Optik aufeinandertrafen.

Die Süßwarenledermatrix

Die Kollektion setzt mit ihrer subversiven, an einen Business-Professor erinnernden Ästhetik, umgesetzt in schweren, strukturierten Ledern, ein klares Statement. Ein erster Ausdruck dieses Ethos war eine ärmellose, stark wattierte, pinkfarbene Lederweste, kombiniert mit einer passenden, pinkfarbenen Leder-Skinny-Hose. Um die Eintönigkeit aufzubrechen, wurde darunter eine dunkelbraune V-Ausschnitt-Weste getragen, die von einem abgenutzten schwarzen Gürtel tailliert wurde. An diesem Gürtel hing lässig eine kleine schwarze Ledertasche an einem Karabiner. Die Silhouette wurde durch die charakteristischen Schuhe der Kollektion abgerundet: schwarze Lederstiefel mit eckiger Spitze und robusten Riemen.

Dann folgten die monochromen Lederanzüge, die uns daran erinnerten, dass Pradas Interpretation von Minimalismus alles andere als unauffällig ist. Eine auffällige limettengrüne Lederjacke mit einem bemerkenswert retro-inspirierten Peter-Pan-Kragen und aufgesetzten Hüfttaschen harmonierte perfekt mit der dazu passenden grünen Lederhose. Die Silhouette wirkt in ihrer Präzision fast schon cartoonhaft, aber dennoch absolut raffiniert. Für alle, die es etwas lässiger mögen, gab es eine offene, petrolfarbene Lederjacke. runway Komplett oberkörperfrei, dazu eine passende türkisfarbene Five-Pocket-Hose. Dieser Look wurde durch einen massiven, absichtlich schief sitzenden schwarzen Ledergürtel, eine asymmetrische Sonnenbrille – Pradas visuelle Metapher für „den Alltag anders sehen“ – und einen starken Kontrast zu ockergelben Riemchenstiefeln aufgepeppt.

Ugly-Chic Geometrie & Archiv-Revival

Nachdem die Kollektion von einfarbigem Leder Abstand genommen hatte, tauchte sie direkt in das Vintage-Archiv von Prada mit seiner „ugly-chic“ Geometrie ein und konzentrierte sich stark auf gemusterte Strickwaren und optische Hosen. Eine ärmellose Strickweste mit braunem, schwarzem und goldenem Rautenmuster wurde in eine cremefarbene Hose mit schokoladenbraunem geometrischem Muster gesteckt und mit einer leuchtend violetten Utility-Tasche kombiniert.

Diese Energie spiegelte sich in einer monochromen, rautenförmigen V-Ausschnitt-Weste wider, die mit einer Hose in einem hypnotischen rot-braunen Kreismuster kombiniert wurde. Beide Looks nutzten mehrfarbige Seidentücher, die kunstvoll um die Taille gewickelt waren wie modische Gürtel und verliehen der klassischen, professoralen Garderobe der Marke einen deutlich unkonventionelleren Touch.

Proportionale Störungen & Reines Pigment

Die letzten Teile der Kollektion spielten mit extremen Proportionen und kontrastreichen Farbblöcken. Ein übergroßer, breitschultriger schwarzer Einreiher-Blazer wurde über einer hellbraunen, gemusterten Strickweste getragen und abrupt durch eine knallpinke Fünf-Taschen-Hose und eine charakteristische schwarze Nylontasche von Prada unterbrochen.

Schließlich wurden alle Styling-Elemente entfernt, um ein reines, unverfälschtes Kanariengelb freizulegen. Eine kurze Jeansjacke und die dazu passende Skinny-Hose glänzten unter den Plexiglaslampen wie ein modisches Warnschild und bewiesen, dass sich die klassische Five-Pocket-Form allein durch Farbsättigung völlig neu interpretieren lässt.

Letztendlich ist das Rezept von Miuccia und Raf für Frühjahr/Sommer 2027 klar: Wenn man schon durch die moderne Welt geht, dann am besten unbeschwert, eingehüllt in bonbonfarbenes Leder und die Realität durch eine herrlich schräge Brille betrachtend.

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Aus Mailand, Italien