Chanel Frühjahr/Sommer 2026 Haute Couture

Chanel Haute Couture Frühjahr/Sommer 2026: „Das Flüstern der Flügel, das Echo eines Hauses“. Text von Eleonora de Gray, Chefredakteurin von RUNWAY ZEITSCHRIFT. Foto mit freundlicher Genehmigung: Chanel.

Ein Vogel auf einem Pilz.
Ich erkannte die Schönheit sofort.
Dann fort, fortgeflogen.

Dieses anonyme Haiku zierte jeden Look der Chanel Haute Couture Kollektion Frühjahr/Sommer 2026, sei es physisch im Stoff oder metaphysisch in der Intention. Es ist die erste Couture-Show von Matthieu Blazy als künstlerischer Leiter der Modeabteilung des Hauses. Und sie ist unverkennbar Chanel – nicht neu interpretiert, nicht neu erfunden –, sondern wie Poesie rezitiert. Still, ehrfürchtig, federleicht.

Blazy versucht nicht, Chanel zu dominieren – er hört zu. Er versucht nicht, die Marke zu modernisieren – er reduziert sie auf ihre essentielle Poesie. Hier ist Chanel nicht die Rüstung zeitgenössischer Coolness. Es ist die sanfte Stärke von Seidenmousseline, transparenter Schneiderkunst und Kleidungsstücken, die wie Emotionen getragen werden. Was die Show eröffnet, ist keine Neuinterpretation des Kostüms, sondern vielmehr eine Erinnerung an ihn – transparent, bestickt, wie aus der Erinnerung erträumt. Ein zartes Aquamarinblau schwebt über den Laufsteg. runway wie Morgenlicht, bestickt mit Relikten aus dem Garten: Blüten, Perlen, vielleicht ein Parfümflakon oder eine Lippenstifthülse, bestickt mit der Hingabe eines Tagebucheintrags.

Die Kulisse: ein verwunschener Wald aus hoch aufragenden Fliegenpilzen und rosa Weiden. Eine Szenerie nicht der Fantasie, sondern der Vergänglichkeit. Die Kollektion bewegt sich wie eine Migration. Frauen verwandeln sich in Vögel – nicht durch Kostüme, sondern durch Gesten. Blazys Vision ist nicht wörtlich zu nehmen. Er kleidet Frauen nicht in Federn. Er kreiert Kleidung, die fühlen wie Federn.

Ein rosafarbenes Twinset wird über lavendelfarbenen Strumpfhosen und einem transparenten Rock mit zartem Rüschensaum getragen – wie eine errötende Taube im Flug. Ein anderes Model trägt mehrlagige Stickereien in Hellrosa und Koralle, die an das Federkleid des Löfflers erinnern. Die Stickerei ist dicht, aber nie aufdringlich. Die Transparenz ist beabsichtigt, nie enthüllend – immer nur andeutend.

Dann verändern sich die Silhouetten. Die Vögel wechseln – nun schwarze Vögel, vielleicht Raben. Strukturierte Kleider in Creme und Rot weichen ausdrucksstärkeren Formen: ein Model, gehüllt in ein elfenbeinfarbenes Federkleid, das an einen Vulkanausbruch erinnert, sodass nur die Augen sichtbar sind – ein Igel? Ein Phönix? Wie dem auch sei, die Botschaft ist klar: Selbst das Extravagante zeigt Zurückhaltung, wenn es unter dem Namen Chanel auftritt.

In der heutigen Haute Couture ist Zurückhaltung eine Seltenheit. Diese Kleidungsstücke sind nicht dafür entworfen, im Internet für Furore zu sorgen. Sie sind dafür entworfen, in Erinnerung zu bleiben – oder vielleicht vergessen Auf die schönste Art und Weise, wie Parfüm auf einem Schal oder ein Lippenstiftkuss auf einem Brief. Eine der anmutigsten Silhouetten präsentiert sich in zartem Rosa: ein schulterfreier, bauschiger Kokon umhüllt ein schlichtes Etuikleid, getragen mit roten High Heels. Die Balance zwischen Volumen und Intimität ist exquisit.

Und dann ist da noch die „Braut“. In der Tradition der Haute Couture ist der finale Look ein Brautkleid – oder zumindest sollte er es sein. Blazys Interpretation ist ein fließender weißer Anzug mit Fischschuppenstickerei. Er ist wunderschön. Aber er ist nicht brauttauglich. Er ist wie ein Schwan ohne Partner. Eine Silhouette auf der Suche nach einer Zeremonie. Oder vielleicht doch nur ein Vogel – bereits fort.

Blazys Debütkollektion wird vielleicht keine Trend-Hashtags auslösen. Aber das will sie auch gar nicht. Es ist eine Couture-Kollektion, die mit der Zeit atmet, nicht gegen sie. Wie Matthieu Blazy selbst sagte: „Bei diesen Kleidungsstücken geht es ebenso sehr um den Träger wie um den Designer… Eine Leinwand, um die eigene Geschichte zu erzählen.“

Was macht Chanel zu Chanel?

Vielleicht ist es genau das:
Ein Vogel auf einem Pilz.
Gesehen, nicht beschlagnahmt.
Bekannt, dann verschwunden.
Entflogen.

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Gepostet aus Paris, 8. Pariser Arrondissement, Frankreich.