Valentino Haute Couture Frühjahr/Sommer 2026: „Wenn Mode zur Überwachung wird“. Bericht von Eleonora de Gray, Chefredakteurin von RUNWAY ZEITSCHRIFT. Foto mit freundlicher Genehmigung: Valentino.
Theoretisch war Alessandro Micheles Debüt für Valentino als Hommage konzipiert – an Valentino Garavani, an filmische Träume, an den „Spiegel der Welt“. In der Praxis war es jedoch ein Peepshow im Haute-Couture-Drag.
Vergessen Sie römische Eleganz. Vergessen Sie Valentino-Rot. Vergessen Sie Würde.
Das war keine Haute-Couture-Show. Es war eine Kaiserpanorama wurde zum Live-Action-SpektakelModels posierten langsam und stilisiert in einem beleuchteten Kreis, während die Zuschauer – buchstäblich – durch rechteckige Gucklöcher starrten. Ganz genau: GucklöcherEin Paradies für Voyeure, erbaut aus deutschen optischen Maschinen des 19. Jahrhunderts, jetzt unter neuem Namen Specula Mundi — Latein für Spiegel der WeltEinst für Enzyklopädien und moralische Abhandlungen verwendet, wird der Begriff nun vereinnahmt, um den Abstieg der Haute Couture in ein fetischistisches Ritual zu rechtfertigen.
Und was für ein Ritual das war!





Paradiesvogel trifft Moulin Rouge
Ein Model erschien in einem skulpturalen, türkisfarbenen und goldenen Kleid, das in rote Straußenfedern überging, dazu lange schwarze Handschuhe – eine wahrhaftige Showgirl-Silhouette, die eher ins Lido als in die Pariser Salons gepasst hätte. Keine Spur von Valentinos Vergangenheit, es sei denn, man zählt die erzwungene Nostalgie des Publikums dazu, das wie Zuschauer in einen exotischen Vogelkäfig hineinstarrte.
Heilige oder Sirene?
Ein hauchzartes, silberfarbenes Kleid, zart bestickt, wurde von einem stacheligen Heiligenschein gekrönt – eine Mischung aus byzantinischer Ikone und Rotlichtfantasie. Das Model posierte wie eine lebende Reliquie, die Arme zu einem scheinbaren Segen erhoben. Hinter den Gucklöchern blickten Gesichter zurück, eingerahmt von Stille. Die gesamte Wirkung schwankte zwischen religiöse Parodie und erotische Überwachung.
Rauhe Träume und zerstörtes Theater
Ein Model schwamm in einem fuchsiafarbenen Morgenmantel mit goldgerüschten Manschetten und einem Kragen von der Größe einer Tudor-Finsternis. Darunter? Ein Korsett und Strumpfbänder. Keine Hommage an die Geschichte – eine Burleske davon. Die Kleider waren theatralisch ohne Ernsthaftigkeit und erinnerten in keiner Weise an Valentino, sondern nur an Micheles persönliche Collage aus übertriebenem Camp.
Black Swan Dystopie
Ein hoch aufragender schwarzer Federkopfschmuck mit rosa Akzenten thronte auf einem skulpturalen schwarzen Umhang. Die Schleppe erinnerte an Seetang oder einen Rorschach-Fleck. Es war beeindruckend. Es war ein Spektakel. Doch in diesem Kontext – der Drehbühne, den Isolationskabinen – wirkte es, als sähe man einem... opfern, kein Grund zum Feiern.
Nahaufnahme-Wahnsinn
Ein Kopfschmuck bestand aus perlenbesetzten Vorhängen, die wie ein... über die Augen des Models baumelten. Luxus-Burka trifft auf FetischmaskeEine andere trug eine Samtkrone mit einer einzelnen rosa Feder – Camp trifft auf Hofnarr. Eine letzte Nahaufnahme zeigte paillettenbesetzte Hasenohren mit schwarz-rosa Federn. Heilige Haute Couture oder Halloween-Kabarett?
Micheles Verteidiger werden sich auf Walter Benjamin berufen. Sie werden sagen, es ginge hier um „Langsamkeit“, „bewussten Blick“ und „rituelle Zeitlichkeit“. Aber seien wir ehrlich:
Das Publikum dachte nicht an Mode.
Sie beobachteten Frauen bei ihren Auftritten in einer Überwachungsmaschine, durch buchstäbliche Sichtschlitze hindurch.
Das war keine Mode als Vision. Das war Mode als Kontrolle.
Das Kaiserpanorama – einst ein Wunderwerk demokratisierter Vorstellungskraft, eine Möglichkeit, von fernen Städten zu träumen – ist hier mutiert zu einem Panoptikum für Haute Couture, wo die Zuschauer vorgeben, Mönche und Gelehrte zu sein, aber die Architektur schreit Pigalle 3 Uhr Du denkst nicht nach – du konsumierst, einen Blick nach dem anderen.
Valentino Garavani träumte einst von Göttinnen. Michele gibt uns vergoldete Burlesque-Puppen, wurde in einem sterilisierten Bordell mit Techno-Kirchenglocken vorgeführt.
Wenn das die Zukunft der Haute Couture ist – durch Gucklöcher, in einem sterilen weißen Kubus des Voyeurismus –, dann ist es nicht „Specula Mundi“. Es ist Speculum Mortis.
Haute Couture, reduziert auf das Wesentliche.
Ritual, ausgehöhlt.
Das Erbe wurde ausgelöscht.
Und dieser Spiegel?
Es spiegelt nichts anderes wider als unsere eigene kulturelle Erschöpfung.
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